Tag 1: Kinder Willkommen! 

09:00 Uhr: Ein Teilnehmer (TN) aus Pakistan ist gekommen. Ich sage, dass wir jetzt beginnen und er meint, dass wir besser noch 10 oder 15 Minuten warten. Ich verneine dies und beginne den Unterricht. Er macht brav mit.
Nach einer Zeit geht die Tür auf und ein kleiner Umzug kommt herein. Zwei Männer und zwei Frauen mit Kopftuch tragen zwei kleine Kinder (ca. 1 Jahr alt) und einen Buggy in den Raum. Sie setzten sich und wenn das erste Kind aufhört zu weinen beginne ich noch einmal. Die Männer machen gut mit – die Mutter der Kinder gibt ihnen sehr viel Süßigkeiten.

Wir üben: Guten Morgen – Mein Name ist… -ich komme aus… – ich bin ein Mann(eine Frau) – Ich bin verheiratet, ledig (der jüngere TN schreibt sich das Wort sofort auf) oder geschieden.

Ich erkläre die Begriffe und sie wiederholen alleine oder mit der Gruppe die Sätze immer wieder. Die Mutter der Kinder beteiligt sich immer weniger. Es tritt noch eine junge Frau ein und um 10 Uhr noch eine Familie mit einem 5-jährigen Jungen. Der letzte TN kommt gegen 11 Uhr. Alle die eintreffen begrüße ich sehr freundlich, zeige auf die Ziffer 9 der Uhr und sage: „Morgen beginnen wir um 9 Uhr, ok?“.

In der Pause um 10.30 Uhr will eine TN, dass ich eine Bescheinigung unterschreibe, damit ihr Kind ganztags im Kindergarten bleiben kann. Ich verweise auf meine Koordinatorin und versuche zu erklären, dass ich hier nicht wirklich helfen kann. Sie zeigt mir gleich das Bild Ihrer Tochter. Der jüngere TN will wissen wie alt ich bin. Ich sage 64 er schreibt auf seinen Handy: 46.

Nach der Pause machen wir weiter mit „ich – du – er, (sie-es) – wir usw. „. Mit 3 TN vermittle ich Gesten zu den Begriffen. Wir vier wiederholen die kleine Aufführung 3 – 4-mal, dann die ganze Gruppe. Nach 5 Wiederholungen schallt es durch den Raum: „Ich – du – Er….“ Das eine kleine Kind weint jetzt sehr und auch die jüngere Frau habe ich verloren.

Jedoch: Der Ehemann der jüngeren Frau erzählt mir, da ist noch ein weiteres Kind, Er zeigt auf den Bauch der Frau. Oh „Schwanger“ habe ich nicht in meinem Wortschatz. Hier ist ein kleiner Ausflug angesagt. Ich vermittele: „Gratuliere – Schwanger und eine werdende Mutter – geboren“. Bei „eine werdende Mutter“ wird es laut im Saal. Es wird viel erklärt, ich glaube und hoffe, sie finden die Worte schön. Ich sehe sogar ein schüchternes Lächeln bei der werdenden Mutter, auch wenn sie müde aussieht.

Dann ist das Alphabet dran. Alle können es lesen. Drei TN und die zwei kleinen Kindern verlassen den Raum. Der jüngere bleibt. Ich lächle dem „werdenden“ Papa zu: „Bis morgen“. Er nickt verlegen.

Ich bitte die TN Ihre Namen aufzuschreiben. Alle können schreiben – Glück gehabt.

Es folgt das Buchstabieren (schwieriges Wort): „Anton, Bertha, Cäsar,…“ immer wieder. Ich lege ihnen nahe: „Bitte, bitte lerne es auswendig. Ausländische Namen sind für jeden schwierig, Sie können jedoch jedem in Deutschland ihren Namen buchstabieren und er wird ihn verstehen.“ Julius – Richard – Xanthippe sind schwierig, wir schwitzen.

Ich ermutige sie: Als Ausländer haben sie einen Vorteil: „Man darf beim Reden Fehler machen, niemand wird Sie auslachen.“ Keiner glaubt es: „Ich habe erfahren. Lachen über Sprachfehler ist in Deutschland tabu. Wir lachen nie über andere, nirgendwo – no way. Wenn Sie sagen: „Das Kind ist bose“, lacht ein Deutscher nicht. Er versucht es zu verstehen und macht aus „bose“ in seinem Kopf „böse“ und versteht es. Aber reden Sie – reden Sie“.

Sie lächeln erleichtert und ich ergänze: „Heute Mittag von 4 bis 5: Anton – Bertha…, üben, üben“.

Das Wort ist im Raum, der junge TN nickt.

Der 5-jährige Junge saß die ganze Zeit ohne Spielzeug still zwischen seinen Eltern, ich habe keinen Ton gehört.

Gegen Ende lenke ich die Aufmerksamkeit auf ihn: „Der kleiner Junge ist ganz (= 100 %) brav, wirklich brav“ Zu den Eltern: „Wenn eine Mutter zu Ihnen sagt: „Ihr Junge ist ganz brav, ist das …“ Ich mache beide Daumen hoch.

Sie lachen, ich sehe Hoffnung.

Zuhause frage ich meine Frau, ob ich ihm morgen nicht etwas aus unserem Enkelschrank ausleihen kann. Sie holt einen Set Mandalas und Buntstiften zum Ausmalen und meint, ich soll es ihm schenken.

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